Über mich

Vieles, was Tag für Tag auf der Welt passiert, macht mir Angst. Hinzufahren, vor Ort sein, mit den Menschen sprechen, hilft mir, die Welt zu verstehen, und es hilft mir, mit der Angst umzugehen. 

 

Den ersten Artikel meines Lebens schrieb ich über die tunesische Revolution. Ich stand in den Straßen von Tunis, als aus Studierendenprotesten ein Aufstand wurde, und die Menschen einen Diktator stürzten: Menschen, die sich mit brennenden Barrikaden und Steinen gegen die Tränengasgranaten der Polizei wehrten, und sich später weinend vor Begeisterung in den Armen lagen.  

Die folgenden Jahre lebte ich in der Region, berichtete vom ägyptischen Tahrir-Platz, aus Syrien, Afghanistan und Libyen. 

Nach den Revolutionen begannen mehr und mehr Menschen nach Europa zu flüchten, durch die Türkei, und den Balkan, und auf Rettungsschiffen im Mittelmeer schrieb ich über ihre Verzweiflung und ihren Mut und die unzähligen Menschen, die ihnen halfen. 

Zurück in Deutschland begann der Aufstieg der Neuen Rechten, bei einem Besuch in Dresden erlebte ich ihren radikalen Hass auf Andersdenkende, und wieder war es die Angst, die mich dazu brachte, darüber zu schreiben. 

Ich zog nach Sachsen und für meine Reportagen über die Bedrohungen für die Demokratie zeichnete mich das Medium Magazin als einen der besten Journalisten unter 30 Jahren aus.  

Seit 2019 schreibe ich über die Klimakrise, die mich persönlich und in meinem Schreiben verändert hat. Zum ersten Mal ist es eine Krise, der ich nicht mehr ausweichen kann. Sie berührt und bedroht jeden Aspekt unseres Lebens. Seitdem schreibe ich weniger Artikel und Reportagen und mehr persönliche Essays, um zu ergründen, was das für mich und uns als Gesellschaft bedeutet.  

Und die Krise hat mich auch ehrlicher gemacht. Dass ich mich für den Nahen Osten interessiert habe, für Flucht und die Neue Rechte, hatte immer auch damit zu tun, dass ich mich nicht damit abfinden wollte, wie die Welt ist. Eine Freundin schrieb deshalb mal über mich: „Als engagierter Beobachter beschreibt Raphael Thelen Verhältnisse nicht nur; er hofft sie zu verändern.

Früher habe ich diesen Impuls versteckt, weil ich dachte, für Journalist:innen passt das nicht. Angesichts der Weltlage fordere ich Kolleg:innen mittlerweile offen dazu auf, das Gleiche zu tun, als Sprecher des von mir mitgegründeten Netzwerk Klimajournalismus Deutschland, als Dozent und Speaker, und auch weiter als Buchautor und Reporter.